Sonntag, 7. April 2019

Oeyä Mesa’nok amip – Meine zwei neuen Mütter

Wieder einmal machte ich mich auf den Weg trockenes Holz für das Clanfeuer zu suchen.
Es waren in der Zwischenzeit schon einige Tage vergangen als Sey mir meine erste richtige Aufgabe übertrug. Nun stand ich aber vor dem Dilemma: Im Wirkungsbereich des Lagers legte mir der Wald keine frischen Hölzer mehr vor die Füße  und weiter weg dufte ich nicht gehen. Schließlich bot Sey’syu, die Tsamsiyu (Kriegerin) ist mir eine erleichternde Lösung an. Unweit des kleinen Lagers am See verbarg sich eine Felsspalte, welche in einen kleinen Felskrater mündete. Sey’syu führte mich dort hin und zeigte mir mehrere Bündel Holz, welche an den Ästen der Bäume hingen. Sie erklärte daraufhin, welch praktischen Nutzen es hat Brennholz so aufzubewahren und zu trocknen. Es ist natürlich Sinnvoll und hilf mir dadurch auch sehr, nicht selbst in dem Wald gehen zu müssen. Da es die Saronyu (Jäger) eh taten und selbst bei einer misslungenen Jagd dennoch wichtige Dinge für den Clan aus den Wald holten und sei es Holz für die Waffenherstellung oder als Brennholz.

Fya'o Na'viyä (hapxì amuve) - Der Weg des Volkes (2. Teil)


Nachdem Kxìrya mich vom See zurück ins Lager der Rey’engya gebracht hatte, verstand ich erst langsam wie sinnlos meine Aktion war. Was half es mir ‘wegzurennen‘? Genau... nichts.
Trotz dieser ersten Einsicht viel es mir dennoch nicht einfacher.

Sonntag, 12. August 2018

Txum kilvanä / Flussgift [2]

Hapxì amuve
(2. Teil)

Ich spüre etwas kaltes und beginne zu frieren. Etwas unsagbar kaltes scheint meinen ganzen Körper zu umgeben, doch ich bin nicht in der Lage zu erkennen, was es ist. Viel zu stark ist die Müdigkeit in mir, der Drang, der Wunsch zu schlafen. Doch irgendetwas hält mich zugleich auch davon ab, einzuschlafen. Es ist eine Art unsichtbare Wand, die mich daran hindert, meinen Weg fortzusetzen.

Freitag, 8. Dezember 2017

Txum kilvanä / Flussgift [1]

Hapxì 'a'awve 
(1. Teil)


Es war mein Vorschlag, das Lager der Rey'engya für eine gewisse Zeit zu verlassen und im Lager der Maguyuk (befreundeter Clan) zu leben, denn ich hatte ein Gefühl, dass die sawtute (Himmelsmenschen) etwas planen und ich befürchtete einen Angriff. Also sprach ich mit den anderen darüber und sie stimmten mir zu. So verließen wir vor einiger Zeit unser Lager und ließen nur einige Wachen zurück. Sey'syu baute rund um das Lager und vor allem dort, wo sich unser Torbogen befindet, viele Fallen auf, um ein etwaiges Eindringen der fremden zu verhindern.

Dienstag, 5. September 2017

Ok zusawkrrteri / Erinnerungen an die Zukunft

Ok zusawkrrteri 
(Erinnerungen an die Zukunft)



Es beginnt völlig unvermittelt, als wir gerade an einem Abend rund um unser Clanfeuer versammelt sitzen. Tsaro, Beyda und Sey hatten ein Yerik (Hirsch ähnliches Tier) erlegt und es gerade für die Verarbeitung am darauffolgenden Tag aufgehängt und wir erzählen der Reihe nach von einigen Erlebnissen, die teilweise länger zurük liegen. Beyda erinnert sich zurück an den Clan der Tipani und wie er so erzählt, kommen auch mir nach und nach Erinnerungen in den Sinn, die ich fast schon vergessen zu haben glaubte. Als Neyri dann auf Sey zu geht und ihn, wenngleich auch vielleicht etwas zurückhaltend, bittet, ihr doch zu erzählen, wie er einst zu den Tipani gekommen ist und weshalb man ihm den Namen Sey gab, von dem sie bislang nur wusste, dass es nicht der Name ist, den Seys sa'sem (Eltern) ihm gegeben hatten, sehe ich plötzlich vor meinem geistigen Auge Ayn'at, meine einstige Tsahìk (spirituelle Clanführerin) und Atan, den Olo'eyktan (Clanführer) der Tipani. Ich sehe, wie beinahe der gesamte Clan damals von dieser heimtückischen Krankheit heimgesucht wird, die uns allen hässliche, rote und zum Teil sehr schmerzhaft brennende Flecken auf der Haut verursacht. Ich sehe, mein Spiegelbild im See, als ich frisches Wasser hole, um Ayn'at zu versorgen, spüre, wie mein Herz in diesem Moment beinahe stehen bleibt und ich spüre die Angst, die mich überfällt, heimtückisch und kalt.